Sonntag, 19. Mai 2013

Goethes Biografie und Lebenslauf

Goethes Biografie und Lebenslauf

Allgemeines

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; +22. März 1832 in Weimar) war ein Universalgenie, der sich als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und als Staatsmann betätigte.

Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt Goethe bis heute als einer der größten Dichter der deutschen Weltliteratur. Mit der Tragödie des Faust schuf er u.a. ein Menschheitsdrama von zeitloser Gültigkeit und weltliterarischem Rang.

Mit diesen Werken prägte er maßgeblich die Literaturepoche des Sturm und Drang (1765 -1785; auch als Geniezeit bekannt) sowie in Zusammenarbeit mit Friedrich Schiller (1759-1805) die Weimarer Klassik.

Herkunft und Jugend (1749-1765)

Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunächst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet. Er unternahm viele Reisen, u.a. nach Rom und Paris und ließ sich schließlich in seiner Vaterstadt Frankfurt nieder, wo die Familie in einem geräumigen Haus am Großen Hirschgraben lebte. Er widmete sich dort seinen Neigungen worunter u.a. die Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts entstand und sammelte Gemälde insbesondere italienische Stiche, woraus sich Goethes Italien-Faszination ableiten lässt.
Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters und Juristen hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet.
Außer der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister früh. 1758 erkrankte Goethe an den Pocken (Blattern).
Schon früh interessierte Goethe sich für die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunächst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich für das Theater – so besuchte er während der französischen Besetzung 1759 häufig das französische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
Am 30. September 1765 verließ er Frankfurt, um auf Wunsch seines Vaters in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen.




Studium in Leipzig (1765 -1768)
Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hörte dort die Poetikvorlesung von Christian Fürchtegott Gellert und nahm an dessen Stilübungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Dieser förderte zudem Goethes Kunstverständnis und künstlerisches Urteilsvermögen.
Der 16 jährige Goethe konnte in Frankfurt und fern des Elternhauses eine freies Leben führen. Er verliebte sich in Käthchen Schönkopf, einer Handwerkertochter und die Verbindung hielt zwei Jahre. Die Gefühlwallungen dieser ersten Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil - hatte er zuvor seine ersten Gedichte im Stil des Rokoko verfasst wurde sein Tonfall nunmehr freier und stürmischer.
Zudem entstand der erste Gedichtzyklus "Anette" (1768), eine Sammlung von 19 Gedichten herausgegeben von seinem Freund, Ernst Wolfgang Behrisch.
Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er später Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm.
Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt ins Elternhaus zurückzukehren.

Frankfurt/Straßburg (1768 - 1771)
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange Rekonvaleszenz und machte ihn empfänglich für die Vorstellungen des Pietismus, die eine Freundin der Mutter, die Herrnhuterin Susanne von Klettenberg, ihm nahebrachte. Er beschäftigte sich außerdem mit mystischen und alchemistischen Schriften, eine Lektüre, auf die er später im Faust zurückgreifen sollte. Unabhängig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel: "Die Mitschuldigen"
Im April 1770 verließ Goethe Frankfurt, um auf Wunsch seines Vaters entsprechend in Straßburg das Studium zu beenden. Er widmete sich seinem Studium wesentlich intensiver und zielstrebiger. Dennoch lernte er in Straßburg einige Persönlichkeiten kennen, u.a. die wichtigste mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker Johann Gottfried Herder (1744-1803). Dieser vermittelte ihm die Sprachgewalt von Autoren wie Homer, Shakespeare und Ossian sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse für Goethes dichterische Entwicklung.
In Straßburg lernte er zudem Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. „Willkommen und Abschied“, „Sessenheimer Lieder“ und „Heidenröslein“.
Goethe beendete sein Studium im Herbst 1771 und siedelte nach Frankfurt um, wo er sich als Advokat niederließ.




Frankfurt/Wetzlar, Sturm und Drang (1771 - 1775)
Seinen Beruf als Jurist übte er nicht mit sehr großem Eifer aus, da er sich wesentlich mehr für die Dichtung interessierte. So widmete er sich mehr seinem ersten Drama " Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand", welches er in nur sechs Wochen niederschrieb und 1774 nach einer Überarbeitung im Selbstverlag als "Götz von Berlichingen" veröffentlicht wurde.
Dieses mit allen überlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gründungsdokument des Sturm und Drang.
Goethe arbeitet zu dieser Zeit auch mit am kritischen Organ der Sturm und Drang Bewegung, den "Frankfurter Gelehrten Anzeigen".
Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung und wiederum auf Drängen seines Vaters als Referendar ans Reichskammergericht in Wetzlar. Den juristischen Studien schenkte er kaum Beachtung und verliebte sich zudem in Charlotte Buff, der Verlobten seines Kollegen am Reichskammergericht, Johann Christian Kestner. Um eine Eskalation zu Vermeiden, beendete Goethe diese Verbindung und verließ Wetzlar am 11.09.1772.
Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal für kurze Zeit nach Wetzlar zurück. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Dieser Suizid war für Goethe der Auslöser, seinen Roman "Die Leiden des jungen Werthers" (1774) zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gesprächen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergründete. Der Roman wird ein großer Erfolg und gilt als literarische Initialzündung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur und stellt gleichermaßen den literarischen Durchbruch des 24 jährigen Goethe dar.
Allgemein kann gesagt werden, dass diese Jahre zu den produktivsten in Goethes Leben gehörten.
Außer dem Werther entstanden die großen Hymnen (u. a. Ganymed, Prometheus und Mahomets Gesang), mehrere Kurzdramen (u. a. das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern und Götter, Helden und Wieland) sowie die Dramen Clavigo und Stella. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den Fauststoff auf.
Weimar (1775 - 1805)
1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof. Er übernahm dort politische Aufgaben in den Bereichen Finanzwesen, Berg- und Wegebau und zu einem späteren Zeitpunkt die Theaterleitung der Stadt Weimar sowie die Übertragung der Aufsicht über das Bildungswesen.
1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat. 1779 wird er zum Geheimrat befördert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre jüngeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war für ihn verbunden mit diversen politischen Reformtätigkeiten. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich für eine wachsende Zahl von Zuständigkeiten. Politik blieb – auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst – ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.
1782 wurde Goethe zudem durch Kaiser Joseph II. geadelt.
Weiterhin begann er sich in diesen Jahren sehr intensiv mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen und entdeckte im Jahr 1784 den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schädel.
In Weimar freundete er sich mit der Hofdame, Charlotte von Stein (1742 - 1827) an, mit der er zehn Jahre lang eine innige Verbindung pflegte.

1. Italienreise (1786 - 1788)
Am 3. September 1786 verließ Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretär Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen „Filippo Miller“ aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Nächststehenden Nachricht über seine eigentlichen Entschlüsse und die Absicht, längere Zeit in Italien zu bleiben.
Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der "Italienischen Reise". In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt. Auch Angelika Kauffmann, ein Mitglied der römischen Künstlerkolonie, lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der „Hauptstadt der Welt“ als Erfüllung eines Lebenstraumes – als „einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt“. Er lässt sich als Künstler von der Monumentalität der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.) und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendländischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den „Römischen Elegien“ (1795) blickt der Begründer der deutschen Klassik wehmütig auf sein Rom-Erlebnis zurück und äußert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoß für die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Größe anknüpft.
Auch mit literarischen Arbeiten beschäftigte er sich in Italien, unter anderem brachte er die bereits in Prosa vorliegende "Iphigenie in Versform" zum Ende, vollendete den zwölf Jahre zuvor begonnenen "Egmont" und setzte den "Tasso" fort.

Weimar - 2. Italienreise - Weimarer Klassik (1788 - 1805)
Goethe kehrte im Juni 1788 nach Weimar zurück, wo er sich mit seiner17 jährigen Geliebten, Christiane Vulpius (1765 - 1816) verlobte.
Aus dieser Beziehung gingen insgesamt fünf Kinder hervor wobei nur der erstgeborene August (1789 - 1830) überlebte.
Goethe gab im Weiteren alle Staatsämter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf und im Jahr 1790 folgte seine zweite Italienreise, die nicht den Widerhall der ersten Reise ergab. Nach seiner Rückkehr nach Weimar widmete er sich daher ausschließlich der Naturforschung und sein künstlerisches bzw. dichterisches Schaffen viel etwas in den Hintergrund. Ursache hierfür war seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschütterungen durch die Französische Revolution und deren Nachwirkungen sowie der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.


Eine Wendung folgte im Jahr 1794 aufgrund der Zusammenarbeit mit dem in Jena lebenden Geschichtsprofessor, Friedrich Schiller (1759 - 1805), der Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift für Kultur und Kunst, den "Horen", bat. Schnell merkten beide, obwohl sie sich nur ab und an getroffen hatten, dass sie in der Erörterung der ästhetischen Grundsatzfragen im Rahmen der Literatur- und Kunstauffassung viel Übereinstimmung fanden. Aus diesem Sachverhalt heraus entwickelte beide die sogenannte "Weimarer Klassik", eine bis heute feststehende literaturhistorische Epochenbezeichnung.
Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen und Goethe schrieb den Roman " Wilhelm Meisters Lehrjahre" oder Balladen wie "Der Zauberlehrling oder der Schatzgräber" sowie weitere kleinere Arbeiten.
Die Epoche der Weimarer Klassik endete mit dem Tod von Friedrich Schiller am 09.05.1805. Der Tod seines Dichterfreundes stellte für Goethe nach eigenem Bekunden ein schmerzvollen und tiefgreifenden Einschnitt in seinem Leben dar und kleinere Krankheiten folgten.
Der späte Goethe (1805 - 1832)
Nach Schillers Tod knüpfte Goethe neue Freundschaften, u.a. mit Humboldt und beschäftigte sich im Weiteren mit Fichtes "Transzendentalphilosophie".
Im Jahre 1806 heiratete er Christiane Vulpius. Die feste Eheschließung hinderte ihn nicht eine tiefe Neigung für Minna Herzlieb, die 18-jährige Pflegetochter des Buchhändlers Frommann in Jena, zu entwickeln.
Auf dem Erfurter Fürstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. Im Jahr 1809 schrieb er seinen letzen Roman "Die Wahlverwandschaften", ein Werk, in dem er Poesie und Naturforschung miteinander verknüpft. Im gleichen Jahr begann er seine Autobiographie zu verfassen.

1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad dem Komponisten Beethoven.

1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Hier machte er Bekanntschaft mit dem Bankier Johann Jakob von Willemer und seiner späteren Frau, Marianne Jung. Obwohl verheiratet verliebte sich Goethe in Marianne und diese wurde zur Muse und Partnerin seiner Dichtung.
1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kümmerte sich fortan um sein Wohl.
Im gleichen Jahr begann er sich wieder den Naturwissenschaften zu widmen. Aus diesem Sachverhalt entstand die Zeitschriftenreihe
" Geschichte meines botanischen Studiums" (Ausgaben 1817 - 1824) die Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie etc. enthielt.
Er schloss Freundschaft mit weiteren Personen, u.a. mit Karl Friedrich Reinhard (1761 - 1837), ein französischer Diplomat, Staatsmann und Schriftsteller sowie Kaspar Maria von Sternberg (1761 - 1838), Botaniker, Mineraloge, Theologe und Politiker.
Aufgrund seiner Notizen begann er im Jahr 1820 mit der Bearbeitung der "Italienischen Reise" und verfertigte ein Jahr später "Wilhelm Meisters Wanderjahre".


1823 erkrankte Goethe an einer Herzbeutelentzündung. Nach überstandener Krankheit fühlte er sich lebendiger und kraftvoller wie nie zuvor. Der Greis hielt um die Hand der 19-jährigen Ulrike von Levetzow an, die ihn jedoch abwies.
Danach wurde es friedlicher und stiller um ihn und er lebte nunmehr einsiedlerisch dahin. Im Jahr 1825, zwanzig Jahre nach Beendigung des Faust, erster Teil, nahm er die Arbeit am" Faust, Tragödie zweiter Teil" auf, an der er bis zum Jahr 1831 arbeitete. Das Werk wurde 1832, einige Monate nach Goethes Tod, veröffentlicht.
Goethe starb am 22. März 1832. Seine berühmten letzten Worte sollen „Mehr Licht!“ gewesen sein. Er wurde am 26. März in der Fürstengruft in Weimar, neben Friedrich Schiller bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Röhr, Generalsuperintendent in Weimar.


Text: Rainer Raasch
Quellen:
Goethe - Wikipedia
Nicolas Boyle, Goethe in zwei Bänden, C.H. Beck Verlag, München



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